Luppenau

     Kinder- und Sportfest 2018 in Luppenau

SAALE-ELSTER-AUEN-KURIER - Juli 2018  - Ilja Bakkal-   

Kinderfest – der Name beinhaltet die Zielgruppe. Zweifellos stehen Kinder und Enkel im Mittelpunkt der Aktivitäten von Förderverein, Feuerwehr und Gaststätte. Entsprechend treffen sich Vereinsmitglieder schon früh am Morgen, die Kameraden der Feuerwehr etwas später, um die Stationen Kletterstange, Schminken, Volleyball, Bastelstraße, Kegeln, Großtrampolin und kleine Trampoline, Torwandschießen, Glücksrad, Strahlrohrbüchsenschießen, Feuerwehrfahren und Schaumparty aufzubauen. Die wochenlang zurückliegenden Vorbereitungen zu Organisation, Beschaffung und Finanzierung interessieren den Besucher erfahrungsgemäß eher am Rande. Alles für unsere Jüngsten. Und dennoch unterstelle ich, dass diesen Aktivitäten ein ganz anderer, tiefer Sinn beigeordnet ist, dass das Kinderfest auch noch stattfinden würde, wären die Protegés allesamt erwachsen und hätten, in der Welt verstreut, die greisen Vorfahren in Luppenau zurückgelassen. Vermutlich würden einige der jungen Leute auch weite Anreisen nicht scheuen um gemeinsam mit ihren Familien diesem Ereignis beizuwohnen: Am Vorabend wurde von den kräftigsten und ausdauerndsten Vereinsmitgliedern ein langes weißes Zelt aufgebaut. Es stand schon im Schlosspark, als noch keine der gefühlten 200 Federn in den Trampolinboden eingehakt, kein Kegel aufgestellt war und sich alle Preise und Gutscheine noch in der Obhut des Schatzmeisters befanden.


Ein langes Zelt mit raffiniert hochgeschnürter, dem Park zugewandter Seitenwand, eigens bestimmt, hohes Gut vor schädlichen Witterungseinflüssen zu schützen und den mit seiner Distribution betrauten, besonders erfahrenen und rechtschaffenden Vereinsfrauen Raum zu geben. Diese hätten unter dem strengen Auge der mit einem großen Messer bewaffneten Gerda Dix ohnehin keine Gelegenheit zu irgendwelchen Unregelmäßigkeiten. Bevor das Geheimnisvolle sich der Öffentlichkeit darstellen durfte, waren noch Tische Stühle und Bänke heraufzutragen, aufzustellen und mit kleinen Vasen und Servietten liebevoll zu dekorieren. Nun konnten sie kommen, nein noch nicht die Kinder, erst fand das Defilee der Torten statt. Getragen auch von Männern, die mit der Art wie sie es taten, ihr Verhältnis zum heimischen Backofen verrieten. Wolfgang V. ließ auf Schulterhöhe mit respektvoller Miene jene Erdbeer-Sahne-Torte einschweben,

Hoch über den Dächern von Luppenau
die bereits vor einigen Jahren Aufmerksamkeit im Kurier erfahren hatte. Lässig schlenkerte dagegen Manfred K. die ihm anvertrauten Erdbeeren auf Biskuit, die diese rüde Behandlung nur durch den stabilen Guss ohne Schaden überstanden. Heike Gilluck stabilisierte ihre Erdbeertorte mit untergelegten Eisakkus. Schnell streute Kirsten B. noch Puderzucker auf ihr knackhartes Streuselbackwerk, als Mandarinen in Joghurtmasse nach einem schnellen Foto sofort zum persönlichen Verzehr herhalten mussten und heftiges, wenn auch unerfülltes Verlangen nach einem zweiten Stück auslösten. Bedauerlicherweise hat mir der Vorstand strikt untersagt, hier irgendwelche Bewertungen durchzuführen, haben doch alle zu einem gemeinsamen kulinarischen Meisterwerk beigetragen. In langer Reihe standen neun Torten und zwei Kuchen für die Gäste bereit. Natürlich ist der vollständige Ausverkauf der süßen Sünden unbestechlicher Beweis der erreichten Exklusivität. Deshalb habe ich den Vereinsvorsitzenden mit seinem Ich-bin-sehr-zufrieden-Blick sozusagen als Dank und Anerkennung, insbesondere auch für die nicht namentlich genannten Bäckerinnen, an diese Stelle platziert.


In vielen Fällen konnten die Kinder die Gesamtkalorienbilanz ihrer Familien wieder etwas nach unten korrigieren. Dabei wurden sie von erfahrenen Betreuern an den genannten Stationen angeleitet und unterstützt. Die Bilddokumentation zeigt die anstrengende Arbeit an der Kletterstange, dem wohl beliebtesten Gerät der Vereinsherren. Bei wohl keiner anderen Sportart lässt sich der Schwierigkeitsgrad so einfach durch Höhenveränderung des preistragenden Rades verändern und den Fähigkeiten der Sportler, ja sogar den Armlängen unterstützender Familienmitglieder anpassen. Wesentlich objektiver ging es beim Glücksrad zu, denn niemand wird glauben, dass sich hier durch Pusten etwas manipulieren ließe. Beim Kegeln und Torwandschießen werden wir in einigen Jahren sicherlich bessere Ergebnisse zu sehen bekommen aber Spannung und Freude gab es allemal. Dagegen wurden am Trampolin Saltos gezeigt, die wegen des Sicherheitsnetzes vor der Öffentlichkeit verborgen geblieben wären, hätten nicht die Begeisterungsrufe der Übungsleiterin den Fotografen aufmerksam gemacht. Da hat es sich doch wirklich gelohnt, die 500 Federn unter größter Kraftanstrengung, teilweise mehrfach bis zum Erreichen von Faltenfreiheit und Symmetrie zwischen Boden und äußerem Ring zu montieren! Selbstverständlich sind Basteln und Kinderschminken Highlights. Hoffentlich wurde es den wattierten Eisbären der Ortsbürgermeisterin nicht zu warm. Da schien mir das Schminkergebnis – tropisches Raubtier - angemessener, wenn auch im konkreten Fall Grauer Panther besser gepasst aber nicht so lustig ausgesehen hätte. Sehen Sie auf das Bild des Betreuers am Basketball! Selbstverständlich wird Dieter Z. zu passender Gelegenheit sein Foto im Passepartout erhalten, hier gibt es keine Reglementierung wie bei den Torten. Haben Sie, verehrte Leserinnen und Leser nicht auch schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich den geschickten Händen der zauberhaften Visagistinnen auszuliefern? Sie könnten im Falle von Nichtzufriedenheit die Veröffentlichung des Bildes sofort verhindern oder nachträglich widerrufen, in ganz schlimmen Fällen die Feuerwehr mit dem Rückschminken beauftragen oder ausnahmsweise an der Schaumparty teilnehmen. Ein Kinderfest ohne Strahlrohr oder Schaum ist schwer vorstellbar. Die Übung zum Offenen Tag der FF hat sich gelohnt, alles klappte, die Begeisterung der Kinder übertrug sich auf Eltern und Großeltern. Was will man mehr.

I. Bakkal